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Ein Kongresszentrum für Heidelberg

Schon seit vielen Jahren ist Heidelberg auf der Suche nach einem passenden Kongresszentrum. Die Stadthalle am Neckar ist zu klein und hat eine ungünstige Struktur. Ein Um- oder Anbau wurde zwar schon mehrfach angedacht, aber nie ernsthaft vorangetrieben. Andere Standorte waren lange nicht in Sicht. Nach der Schließung der Hauptpost am Hauptbahnhof rückte dieses Gelände in den Fokus der Kongresszentrumsplanungen. In den Jahren 1997 bis 2007 war dies der Standort der Wahl, unterstützt durch ein Gutachten von Arthur Andersen-Consulting, das stadtamflusst1-8-1.jpgHeidelberg diesen Standort und ein „richtig großes“ Kongresszentrum empfahl. In diesem Zeitraum liefen mindestens 4 große Investorenausschreibungen, die Vergabe wurde mehrfach angekündigt, tatsächlich erfolgt ist sie jedoch nie. (Da braucht man sich nicht wundern wenn sich bald kein Investor mehr in dieser Stadt engagiert.) Dieser Standort ist noch immer aktueller Gemeinderatsbeschluss.

Inzwischen geht die Tendenz wieder zurück zur Stadthalle. Bürgermeister Eckhard Würzner hat die Planungen rund um die Stadthalle wieder aufgenommen. Passend zum Thema „Stadt am Fluss“ möchte er die Stadthalle erweitern um das Raumprogramm für ein kleines aber feines Kongresszentrum unterzubringen. Dieser Standort wird wiederum durch ein Gutachten untersützt, diesmal vom Europäischen Institut für Tagungswirtschaft (EITW) im Auftrag der Heidelberger Kongress- und Tourismusgesellschaft.  Durch eine weitere Studie von Architekt Christoph Mäckler, beauftragt durch die Stadt Heidelberg, lies Würzner nachweisen, dass selbst das große Raumprogramm vom Standort Hauptbahnhof neben der Stadthalle unterzubringen ist. Allerdings ging das voll auf Kosten des Montpellierplatzes, eines Wohnhauses und der Stadtansicht vom Neckar aus.

Der Standort am Neckar ist für Heidelberg sicher der passendere. Wie Herr Schreiber vom EITW bei einer Veranstaltung zum Thema sehr anschaulich vortrug, kann Heidelberg hier seine Karten voll ausspielen. Der Charme der Altstadt, der Neckar, die Nähe zu Restaurants, Geschäften und Hotels. Die große Frage ist nur, wie kann das aussehen und sich in das vorhandene Stadtbild integrieren ohne es vollkommen umzukrämpeln und wie kann das funktioieren ohne destadtamflusst1-8-5.jpgr Altstadt und den Anwohnern mehr Beeinträchtigungen als jetzt schon vorhanden zuzumuten. Auch hierzu wird es wohl jetzt nähere Untersuchungen geben, die dann hoffentlich in einem Architektenwettbewerb münden.

Stadtansicht:
Die Stadtansicht vom Neckar aus wird gebildet durch eine Reihe von prägenden Bauwerken, Bauten mit eher auffüllendem Charakter, einigen Freiflächen / Plätzen und nicht zu unterschätzen vielen Bäumen. In der Ansicht sind die Plätze kaum wahrnehmbar da Sie zum Neckar hin geöffnet sind und dementsprechend zweidimensional nicht zur Wirkung kommen. Räumlich haben die Plätze natürlich eine große Wirkung, insbesondere da sie einige der prägenden Bauwerke freistellen. So auch bei der Stadthalle, ein Solitär, der auf zwei Seiten von Plätzen gerahmt ist und somit auf drei Seiten frei steht.

stadtamflusst1-8-2.jpg

Der Montpellierplatz im Osten ist ein kleiner Platz mit guten Proportionen, relativ viel Grün und Bäumen aber eher weniger nutzbarer Fläche. Der Jubiläumsplatz im Westen ist größer aber weniger proportioniert, eher auslaufend. Er hat weniger Grün, mehr Verkehr und dient auch als Eingangsbereich für die Stadthalle.stadtamflusst1-8-3.jpg
Um das Stadtbild nun möglichst unverändert zu lassen (vorausgesetzt man will das Stadtbild unbedingt unverändert lassen) sollte man dieses Gleichgewicht beibehalten. Neue Baukörper sollten dementsprechend nur auf beiden Seiten der Stadthalle angeordnet werden. Ein etwas kleinerer auf der Ostseite (Montpellierplatz) und ein etwas größerer auf der Westseite (Jubiläumsplatz). Die Baukörper selbst müssen sich gestalterisch und massenmäßig der Stadthalle unterordnen und sich von ihr deutlich unterscheiden. Die beiden Plätze sollten ablesbar bleiben und die Stadthalle als Baukörper möglichst freigestellt.stadtamflusst1-8-6.jpgIntegration Altstadt:
Die Stadthalle funktioniert seit jeher eher schlecht als recht. Abgesehen von der ungünstigen inneren Aufteilung der Räume gibt es keinen funktionierenden Anlieferungsbereich, die Zufahrt zu der Parkgarage liegt hinter dem Gebäude in einer schmalen Gasse mit einigen Wohngebäuden. Lärmbelästigung bei Auf- und Abbau und durch viel Verkehr bei Veranstaltungen ist vorprogrammiert. Das Hauptproblem das es zu lösen gilt ist die Erschließung, wie wird angeliefert und abgebaut, wie kommen und gehen die Besucher. Kann man den ÖPNV zur Stadthalle verbessern. Wie sieht die fußläufige Erreichbarkeit aus, wie wird der MIV geleitet. Gibt es eine Möglichkeit den Neckar als „Erschließungsweg“ zu nutzen? Funktionieren kann das Ganze nur mit Tunnel, entweder über den momentan geplanten „großen“ Tunnel vom Karlstor bis zum Bismarkplatz oder aber über einen von uns entwickelten Kurztunnel, der nur den Bereich der Stadthalle unterquert. Vom Tunnel aus würde ein neues Parkhaus unter dem Jubiläumsplatz und über eine unterirdische Verbindung auch das vorhandene Parkhaus unter C&A erschlossen. Auch die komplette Andienung könnte von dort aus abgewickelt werden, was eine deutliche Entlastung der Unteren Neckarstrasse bringen würde. Diese könnte dann reine Anwohnerstraße werden. Der Kurztunnel hat noch weitere Vorteile: Kürzere Rampen, keine Veränderung der Verkehrserschließung der Altstadt, keine komplizierten Anschlüsse, dafür ca. 350 m komplett autofreier Fußgängerbereich am Neckar. Das ist immerhin etwa ein Drittel des Neckarstadens bis zur Alten Brücke. Kombiniert mit der Fußgängerpromenade auf Wasserniveau aus „Stadt am Fluss light“ und weiteren Verbesserungen im Bereich Alte Brücke und Neckarmünzplatz wäre man auch ohne großen Tunnel ein ganzes Stück weiter.stadtamflusst1-8-6.jpg

Wir sind gespannt auf die weiteren Planungen und vor allem auf das was letztendlich realisiert wird…….

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Heidelberg hat sicher andere Sorgen als ein Kongresszentrum. Zum Beispiel die Elendssiedlungen Emmertsgrund, Boxberg und Pfaffengrund, der Schmutz, in dem die Stadt versinkt, Bettler und Alkoholiker an jeder Straßenecke, kaputte Fuß- und Radwege, aber vor allem der Dreck überall.

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