Überspringen zu Hauptinhalt

Fahren im Schwebezustand Welt am Sonntag, 15.02.2004

Für Pendler und Touristen:

Moderne Hochbahnen bieten eine komfortable Innenausstattung und freie Sicht auf die Stadt

Von Thomas Jüngling

Die Fahrt ist nichts für nicht Schwindelfreie: Front- und Seitenwände bestehen bis zum Boden aus Glas, während die Bahn zum Beispiel über Alster oder Elbe schwebt. So sieht es zumindest der Hamburger Produktgestalter Stephan Gahlow (www.gahlow.de). Sein Modell hat nicht die optimale aerodynamische Form – das ist bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde allerdings nicht erste Designer-Pflicht. Das Tempo können die Gondeln auf Grund moderner Pendeltechnik auch in Kurven beibehalten. Die Konstruktion sorgt auch für mehr Sicherheit: Die meisten physikalischen Kräfte werden auf Kabinendecke und -boden abgeleitet. Dort befindet sich zudem sämtliche Elektronik, sodass sie den optischen Gesamteindruck nicht stört.

Die Konstruktion besteht aus einem umlaufenden Band aus Aluminium, das ebenfalls im Innenraum zu erkennen ist. Außen zeigt der Metallrahmen eine stabile Anbindung an die Schienen, innen soll die sichtbare Konstruktionsstruktur zu mehr Transparenz und zum Vertrauen in das neue Transportsystem beitragen. Im Innenraum sind in dieses Aluminiumband alle Haltesysteme für die Passagiere integriert.

Interessante Optik gilt auch für die Blickrichtung von innen nach außen: Die Passagiere sind in der Lage, über die gewölbten Stirnflächen den Ausblick auf die City zu genießen. Derzeit steht man meist vor mit Blech verkleideten Fassaden, die einen Eindruck von Enge vermitteln. Insgesamt kommt es Gahlow auf Leichtigkeit des Fahrens sowie „elegante Großzügigkeit“ an. „Die Kabinen sollen den Eindruck vermitteln, als gleite die Libelle einer Wasserwaage ruhig hin und her“, sagt Gahlow. Nicht nur Ruhe soll die Schwe-bebahn ausstrahlen, sie passt ihren Rhythmus zusätzlich dem Passagieraufkommen an. Das Verkehrsmittel der Zukunft ist computergesteuert und kann flexibel auf Pendlerströme reagieren. Taktbetrieb ist ebenso möglich wie ein Betrieb auf Knopfdruck, sollte es zu ungewöhnlichem Passagieransturm kommen.

Um diesen zu bewältigen, sind die Zugänge zu den Gondeln sehr großzügig geschnitten. Innen erwartet die Benutzer ein „yachtähnliches Interieur“. Die Basistechnologie stammt von Siemens, das H-Bahn-Konzept ist bereits 20 Jahre alt. Gahlows Studie hat kaum noch etwas mit herkömmlichem Nahverkehr zu tun, aber auch nicht mit sonstigen Hochbahnen, die seit der Inbetriebnahme der Wuppertaler Schwebebahn ebenfalls jahrzehntelang existieren. Auch in Dortmund und Düsseldorf gibt es vergleichbare Verkehrssysteme, die fünf Meter über dem Boden ihre Passagiere befördern. In Dortmund sind bereits 17 Millionen Fahrgäste ein- und ausgestiegen, auf einer Streckenlänge von drei Kilometern mit fünf Haltestellen. Demnächst, falls die Finanzen es zulassen, soll das Netz um mehrere Kilometer erweitert werden. Auch hier ist kein Personal im Einsatz – weder in den Fahrzeugen noch an den Haltestellen der H-Bahn. Fahrgastbetreuung und Systembeobachtung übernimmt der Leitstand.

Gahlows Konzept nutzt  diese Technik, entfernt sich aber ansonsten weit von den bisherigen Modellen: Deren Wagen sähen aus wie „aufgehängte Straßenbahnwaggons und lassen die Modernität dieses Verkehrsmittels nur erahnen“, sagt Gahlow. Seine Version soll gleichzeitig die Städte schmücken und eine Plattform für Sightseeing sein.

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

An den Anfang scrollen