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An einer Schiene über den Neckar? RNZ 2003

Eine Gruppe von Architekten und Planern stellt eine neue Idee für eine fünfte Neckarquerung vor: Eine „MonoRail-Bahn“

Von Alexander R. Wenisch
Die Diskussion um eine fünfte Neckarquerung hat eine neue Variante: Das „ studio mobile concepts“, ein Netzwerk von Heidelberger Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern, hat ein Konzept für eine Hochbahn ins Neuenheimer Feld erarbeitet.
Die so genannte „MonoRail“ ist nach Überzeugung der Gruppe die bessere Alternative zu der von Uni-Rektor Peter Hommelhoff und Teilen des Stadtrats favorisierten Autobrücke. Eine Brücke von Wieblingen ins Neuenheimer Feld ist nach Ansicht der jungen Planer „völliger Quatsch“. Heidelberg benötige eine moderne und umweltverträgliche Infrastruktur, keine Lösungen aus dem vergangenen Jahrhundert, sagen die im Netzwerk engagierten Architekten Nils Herbstrieth und Uwe Weishuhn. Im Bereich der Forschung strebe die Universität an die Weltspitze, die Verkehrsprobleme vor der eigenen Haustür aber sollten mit „altmodischen Konzepten“ gelöst werden.
Eine Autobrücke würde den Verkehrsdruck im Neuenheimer Feld nur erhöhen, zumal dort der Platz für Parkflächen immer knapper würde, wird argumentiert. Eine Brücke wäre für den Individualverkehr zwar sehr bequem, bringe aber sonst nur Nachteile: mehr Verkehr, mehr Lärm und Abgase, Störung des Naturschutzgebietes, immense Bau- und Instandhaltungskosten.
Die strombetriebene MonoRail-Bahn ist in Herbstrieths und Weishuhns Augen die attraktivere und zukunftsweisendere Alternative. Ziel müsse es sein, Autofahrer zum „Umsteigen“ in den Nahverkehr zu bewegen. Ihre Lösung: Das so genannte „UNIverCITY-Shuttle“. Dieses solle zwischen Bahnhofsvorplatz und Campus im Neuenheimer Feld verkehren. Für die 1500 Meter lange Strecke würden vier Minuten Fahrzeit genügen. Die Hochbahn könnte vom Bahnhof über einen Haltepunkt am Gneisenauplatz verlaufen und zwischen IBM-Gebäude und Wehrsteg über den Neckar geführt werden.
Dies hätte den Vorteil, dass das Naturschutzgebiet „Unterer Neckar“ nicht durchschnitten würde. Darüber hinaus würde eine Hochbahn weniger Fläche in Anspruch nehmen als ein Brücke. Die emissionsfrei betriebene Elektro-Bahn könnte zudem in das bestehende ÖPNV-Netz integriert werden: Am Bahnhofsvorplatz wäre ein bequemes Umsteigen möglich. Weiterhin sieht das Konzept der Planer zwei Park-and-ride-Plätze (P+R) auf dem Areal der Heinsteinwerke am Ochsenkopf und auf dem Gneisenauplatz vor. So soll „Umsteigen“ vom Auto erleichtert werden.
Die MonoRail-Bahn könnte problemlos im Herzen des Campus auf dem zentralen Platz vor der Mensa enden. Dies sei attraktiver als die Idee, den Campus mit einer Straßenbahnschleife zu befahren. Das Klinikum würde darüber hinaus auch weiterhin über die Ernst-Walz-Brücke und die Berliner Straße für den Individualverkehr erreichbar sein, was vor allem für den Patiententransport wichtig sei. Parkraumbewirtschaftung würde zudem zum Umsteigen in den ÖPNV führen.
Abgeschaut haben sich die Planer ihre Idee in Dortmund, wo zwei ähnlich weit auseinander liegende Uni-Gebiete bereits seit1984 mit einer MonoRail verbunden sind. Dort werden etwa 1,3 Millionen Passagiere im Jahr befördert; „in Spitzenzeiten sogar über 8000 Passagiere täglich“, so der Geschäftsführer der „H-Bahn Dortmund“, Rolf Schupp, gegenüber der RNZ. Die Bahn verkehrt in Dortmund auf unterschiedlichen Streckenabschnitten im Zehn- und Fünf-Minuten-Takt. Eine 1,2 Kilometer lange Streckenerweiterung hatte in Dortmund 14 Millionen Euro gekostet. Die Heidelberger Bahn wäre 300 Meter länger, müsste also für einen ähnlichen Preis in Betrieb gehen können, schätzt Schupp. Im Vergleich: Laut Gutachten würde die von der Uni favorisierte Autobrücke zwischen acht und 18 Millionen Euro kosten.
In weiteren Baustufen könnte die Bahn nach Ansicht der Architekten entweder nach Westen über Wieblingen und den Schollengewann in Richtung Autobahnabfahrt Rittel geführt werden. Mit einer großen P+R-Station am Rittel könnte der Individualverkehr noch weiter aus der Stadt gehalten werden. Zudem wäre vom Bahnhofsvorplatz eine Erweiterung nach Osten über die Kurfürstenanlage bis zum Adenauerplatz und über die Friedrich-Ebert-Anlage zur Peterskirche oder zum Uni-Platz möglich. Gleichzeitig seien moderne Hochbahnen nicht zu klobig, so dass die Strecke das Stadtbild – anders als beispielsweise in Wuppertal – nicht dominieren würde. Das „studio mobile concepts“ ist überzeugt: „Diese Verbindung zwischen Alter Uni, Stadtmitte und Neuenheimer Feld könnte zum zukünftigen Rückgrat des Heidelberger Nahverkehrs werden.“
Bereits Ende Juni haben die Netzwerker ihre Vorstellungen an alle Fraktionen des Heidelberger Gemeinderates geschickt. Bislang ohne jede Reaktion.

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Könnte eine Schwebebahn über den Neckar zwischen Wieblingen und dem Neuenheimer Feio eine Alternative zu einer Brücke sein?
Eine Architektengruppe macht den Vorschlag für eine „MonoRailBahn“, die so aussehen könnte. Montage: Herbstrieth

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